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Superblocks

SUPERBLOCKS – wo LEBEN Vorfahrt hat

Dass sich in unseren Städten planerisch etwas tun muss, wird vor allem im Zuge des Klimawandels immer deutlicher: Hochsommerliche Temperaturanstiege lassen die Cities – wo dichte Betonbauweise mit wenig Luftzirkulation die Aufheizung noch verstärkt – zu lebensfeindlichen Hitzeinseln werden. Hinzu kommen Lärm und gesundheits- wie klimaschädliche Emissionen, besonders durch Autoabgase. Der Druck, neue Konzepte für urbane Ballungsräume zu entwickeln, wächst. Neben expansiver Begrünungsförderung finden in diesem Kontext auch sogenannte „Superblocks“ als Teil einer Lösung zunehmend Beachtung.

Als Superblocks bezeichnet man städtische Areale im Umfang von etwa 400 mal 400 Metern, die aus organisatorisch zusammengefassten Häuserblocks bestehen und im Innern auf eine weitestgehende Begrenzung des motorisierten Verkehrs ausgerichtet sind. Ursprünglich stammt die Idee aus dem spanisch-katalanischen Barcelona, wo das für die Metropole charakteristische schachbrettartige Straßenmuster der Etablierung solcher „Superilles“ – wie die Superblockeinheiten in ihrer Heimat genannt werden – zupasskam: Konzeptionell fasst man dort vier bis neun beieinanderliegende Häuserblocks zu einer Superblocknachbarschaft zusammen.

Das ursprüngliche Konzept geht im Wesentlichen auf den spanischen Umweltingenieur, Energietechniker, Biologen und Psychologen Salvador Rueda zurück, der Überlegungen zum Ökosystemischen Urbanismus anstellte. Sieben Gestaltungsprinzipien leitete er ab – so beispielsweise zum Kontext urbanen Handelns, zu urbaner Funktionalität, Stadtgrün und Biodiversität wie auch sozialem Zusammenhalt: Der öffentliche Raum solle „sicher sein und gleichermaßen zu Mobilität und Lebensqualität beitragen …“. Nach derlei Maximen entstand im Jahr 2017 der erste Superblock – wo über einzelne Häuserblocks hinaus ganze Nachbarschaften quasi zur „Superinsel“ verbunden wurden – als städtebauliches „Superilla“-Pilotprojekt der Stadtverwaltung von Barcelona im Stadtteil Poblenou. Ursprünglichere Superblockformationen gab es im Stadtteil Gràcia auch schon seit dem Jahr 2003. Anfängliche Bedenken von Geschäftsleuten, dass man durch die Beschränkungen des Autoverkehrs in diesen Bereichen an Umsatz verlieren könne, erhärteten sich mit den Erfahrungen nicht. Im Gegenteil: Die Anzahl lokaler Läden, die nun fußgängerfreundlich zu erreichen waren, stieg sogar an. Weitere Superblocks folgten an unterschiedlichen Standorten. Wobei die Motivation zur Entwicklung von Superblock-Quartieren vor allem einer bestehenden Problematik entsprang: Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte, flankiert von einer straßenverkehrsbedingten bedenklichen Lärm- und Emissionsbelastung wie in Relation auch zu wenig Stadtgrün, war es dringend geboten, neue Gestaltungsformen zu finden. Als „Geburtsstätte“ der Superblocks gilt Barcelona heute international als Pionierbeispiel1 für eine städtische Klimapolitik mit vorbildlichen Maßnahmen zur Verkehrswende.

Superblock-charakteristisch ist die „eingebaute“ restriktive Regelung des motorisierten Verkehrs – ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Menschen, nicht auf die Optimierung für Autos wie sie jahrzehntelang oft im Fokus stand. Durch systematische Anordnung von Einbahnstraßen und Diagonalsperren in Verbindung mit modalen Filtern wie Pollern und Blumenkästen wird hier verhindert, dass potenzieller Durchgangsverkehr das Wohnviertel z. B. als Abkürzung durchqueren kann. Kraftfahrzeuge sollen im Grunde nur ein- und wieder (zurück) ausfahren können – wobei Höchstgeschwindigkeiten von nicht mehr als zwanzig Stundenkilometern die Regel sind. Nichtmotorisierte, die zu Fuß oder etwa mit dem Fahrrad unterwegs sind, haben per se Vorrang. Insofern ist die Fortbewegung mit dem Auto hier allenfalls für Anwohnende, Anliefernde, öffentliche Verkehrsmittel und Rettungsfahrzeuge vorgesehen. Vielfältige Begrünungsmethoden sowie die Bereitstellung von Sitz-, Sport- und Spielgelegenheiten sorgen innerhalb der Superblocks für ein Ambiente, wie es das Deutsche Institut für Urbanistik auf seiner Homepage sinnlich bildhaft beschreibt: „Durch Superblocks werden Straßen zum erweiterten Wohnzimmer. Man hört Kinderlachen statt Autolärm, atmet frische Luft anstelle von Abgasen und kommt mit der Nachbarschaft ins Gespräch. Der Zusammenhalt wird gefördert und die Lebensqualität für Anwohnende steigt." Zudem soll an den Außenkanten der Superblocks die Optimierung des öffentlichen Verkehrs mit einhergehen – im Idealfall ergibt sich also eine wahre „Win-win-win-Situation“ für Lebensqualität, Klima und Mobilität. Zahlreiche positive Effekte wie die messbare Verbesserung der Luftqualität, mehr Sicherheit, Ruhe und eine bessere Vernetzung innerhalb der Nachbarschaft vor allem unter älteren Menschen wurden bereits nachgewiesen.

Vergleichbare Initiativen hierzulande sind unter Namen wie beispielsweise Superbüttel (Hamburg), Kiezblocks (Berlin) und Heinerblock (Darmstadt) im Gespräch oder schon auf den Weg gebracht – wobei allerdings auch Gegenwind besteht: Bremsend wirken z. B. Widerstände bestimmter Interessengruppen hinsichtlich der dort (räumlich begrenzt) dazugehörigen Beschränkungen des Automobil(durchgangs)verkehrs oder eines etwaigen Wegfalls von Parkplätzen. Des Weiteren werden finanzielle Aspekte angeführt. So wurden die Pläne für Hessens ersten Superblock im Darmstädter Martinsviertel rund um den Lichtenbergplatz tatsächlich gerade kürzlich (Ende 2023) erst gekippt – obwohl ein Umsetzungsbeginn bereits fürs Frühjahr 2024 anberaumt war. In der Begründung bezog man sich auf eine „schwierige Haushaltslage“.2

Fazit: Beispiele zeigen, dass der Weg zu umwelt- und lebensfreundlichen Superblocks mancherorts wohl b. a. W. noch steinig und lang ist. Nichtsdestotrotz zwingen fortschreitende Veränderungen der Umweltbedingungen zum akuten Handeln und Evaluieren neuer kreativer Ansätze – zumindest, wenn man Kindern und Kindeskindern das, woran bisherige Generationen sich (noch) erfreuen dürfen, gleichsam nachhaltig bewahren möchte. Für Barcelona hat sich die Idee der Superblocks jedenfalls bewährt – und mit diesbezüglich guten Erfahrungen auch anfangs Zweifelnde überzeugt.

1 Im Fact Sheet des Umwelt Bundesamtes geben die Ausführungen zu „Umgestaltungen in Barcelona – Pionier der Superblocks * interessante Einblicke zur dortigen Ausgangslage und der konkreten Wirkungsweise des Superblock-Konzepts, wie es auch auf andere Städte übertragbar ist.

2 Nähere Informationen zum Stopp des Darmstädter Superblocks finden sich z. B. unter hessenschau.de *.

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Weitere informative Beiträge zum Themenfeld Klima- und Umweltschutz in Städten:

Wer mehr zur übermäßigen Aufheizung von Städten und der Bildung von Hitzeinseln erfahren möchte, findet anschauliche Erläuterungen z. B. im „ARD Alpha“-Beitrag zu Hitze in der Stadt *.

Noch mehr Interessantes zu Maßnahmen für mehr Grün in unseren Städten – und warum das überhaupt so wichtig ist – finden Sie in unseren Homepage-Magazin-Beiträgen Von Gärten, die an Mauern wachsen, Urban Gardening – Selbstversorgung mit Klimaeffekt und Beim begrünten „Sparda-Haus“ in Kassel sind die Bienen los!

Ebenfalls im Homepage-Magazin stellen wir Ihnen Die 15-Minuten-Stadt: Ein Konzept mit Zukunft? als weiteres bemerkenswertes Städtemodell vor.


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