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Online-Banking
Handy-Grafik mit Schriftzug Digital Euro

Wie steht’s eigentlich um den digitalen Euro?

2002 wurde das Euro-Bargeld in zwölf europäischen Mitgliedsstaaten als gemeinsame Währung eingeführt, als Buchgeld startete der Euro bereits 1999. Seither hat sich in puncto „Bezahlen“ viel getan: Bargeld tritt angesichts heutiger digitaler Möglichkeiten, gestiegener Nachfrage beim Online-Shopping, vermehrter Kartennutzung und dem nachdrücklicheren Wunsch nach mobilen Formen des Bezahlens zusehends zurück. Gleichzeitig wird europäische Souveränität im Zuge weltpolitischer Ereignisse auch bei Bezahlsystemen immer wichtiger: Ein Ansatz befasst sich mit der Einführung einer digitalen Euro-Version.

Euro-Historie und heutige Erfordernisse

In vielen Ländern ist die Nutzung von Alternativen zur Barzahlung schon verbreiteter als in Deutschland: So werden andernorts selbst Kleinstbeträge oft ganz selbstverständlich mit der Karte, übers Smartphone oder Wearables wie etwa Smartwatches und Bezahlringe beglichen. Hierzulande hängt man dagegen noch stärker mit besorgtem Blick auf Aspekte der Privatsphäre und des Datenschutzes am Bargeld: Denn natürlich ist alles, was über digitale Wege läuft, irgendwo auch erfasst und damit grundsätzlich nachvollziehbar. Doch die Nachfrage bezüglich sicherer mobiler digitaler Zahlungsformen wächst.

So startete die Europäische Zentralbank (EZB) 2021 das Projekt zur Auslotung von Machbarkeiten einer digitalen Euro-Variante. Dieser solle genau wie heutigen Banknoten und Münzen der Status von Zentralbankgeld zukommen. Der Digitale Euro ist dabei ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als digitale Ergänzung zum Papier- und Münzgeld gedacht: Es bestehe nicht die Absicht, damit das Bargeld abzuschaffen!

Laut einem Kurzbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft ist beabsichtigt, dass der digitale Euro ab 2029 grenzüberschreitende Zahlungen im Euroraum vereinfachen und unabhängiger machen soll. Vorausgesetzt, dass die entsprechende EU-Gesetzgebung rechtzeitig verabschiedet wird. Wobei man in Fachkreisen davon ausgeht, dass sich eine vollumfängliche Einführung in allen Funktionalitäten über die reine „Ausgabe“ der ersten digitalen Euros hinaus auch noch bis 2031 hinziehen könne. Zahlungen sollen laut Bundesbank dabei dann nicht über Kartennetzwerke, sondern eine Plattform des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) abgewickelt werden.

Während die Online-Abwicklung des digitalen Euro hier über ein Kontensystem erfolgen soll, ist daneben auch die Offline-Nutzung angedacht: Diese könne unter Berücksichtigung noch zu definierender Haltelimits über eine elektronische Geldbörse (Wallet) zum Beispiel mittels Smartphone gespeichert und als eine Art digitales Bargeld abgerufen werden.

Digitaler Euro im Verhältnis zu Wero

Ein noch junges innereuropäisches Bezahlsystem, das sich seit 2024 aber immerhin schon am Start befindet, ist Wero. Nach ersten europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland und Belgien führen weitere Staaten diese Form der Euro-Geldübertragung auf Basis des SEPA-Echtzeitüberweisungssystems derzeit ein. Der Wero-Fahrplan sieht den kontinuierlichen Ausbau vor: nach der Handy-zu-Handy-Geldübertragung im ersten Schritt übers Bezahlen im Internet (Online-Shopping) zum voraussichtlich 2027 folgenden Einsatz als Bezahlform in den Läden vor Ort. Beabsichtigt ist die Ausweitung des Wero-Bezahlsystems auf immer mehr Banken auch in den weiteren europäischen Staaten.*

Wie beim digitalen Euro steht auch hinter Wero das Streben nach europäischer Unabhängigkeit – insbesondere von bislang gesetzten US-amerikanischen Marktführern wie etwa Paypal, Apple und Google Pay. Angesichts globalpolitischer Verwerfungen erscheint europäische Autarkie auch hier inzwischen gebotener denn je, um jederzeit uneingeschränkt handlungsfähig zu bleiben. Worauf die Europäische Zahlungsinitiative EPI als Zusammenschluss privatwirtschaftlicher Banken und weiterer Finanzdienstleister in diesem Sinne mit Wero abzielt – das verfolgt die Europäische Zentralbank (EZB) ihrerseits als Währungshüterin mit dem digitalen Euro, wobei sie ihre übergeordnet währungspolitische Neutralität unterstreicht.

Unterschiedliche Positionen: Pros und Contras zum „Digi-Euro“

Kritische Stimmen bemängeln, dass in der Online-Form des digitalen Euro eine unausgewogene Konkurrenz zu Wero entstünde: Nicht zuletzt, da Wero als privatwirtschaftliches Zahlungssystem im Wettbewerb zu anderen (außereuropäischen) Anbietern stehe und erst überzeugen müsse – während der digitale Euro als gesetzliches Zahlungsmittel nach EZB-Plänen mit einer grundsätzlichen „Annahmepflicht“ im Handel ausgestattet sein könnte. Es besteht Sorge, dass die Einführung eines digitalen Euros – als offizielles Zahlungsmittel über die reine Offline-Nutzung hinaus – Wero das Wasser fürs Wachstum abgraben könne. So wurde in einem Bericht ans Europäische Parlament auch schon vorgeschlagen, den digitalen Euro zunächst nur als Offline-Version anzubieten – welcher eine Online-Version nur folgen solle, falls privatwirtschaftliche europäische Lösungen wie Wero nicht ausreichten.

Für den nachhaltigen Erfolg von Wero – als Lösung, die immerhin schon existiert – wäre es gerade jetzt immens wichtig, dass „die Europäer“ möglichst geschlossen mitmachen und Länder mit gut etablierten nationalen Bezahldienstlösungen ihre Systeme sukzessive mit Wero vereinheitlichen: Als Beispiele seien die Integration des niederländischen „iDEAL“ und die Kooperation mit Spaniens Bizum genannt.* Derzeitige Diskussionen und Ungewissheiten um den digitalen Euro lassen jedoch befürchten, dass manche Finanzinstitute aktuell lieber abwarteten, statt Wero durch ihre Teilnahme zu stärken: Um sich den (möglicherweise) unnötigen Aufbau von Parallelstrukturen zu ersparen.

In einem Positionspapier*** spricht sich der Verband der Sparda-Banken sogar dafür aus, die Schnittstelle zur Privatkundschaft weiterhin Kreditinstituten und Zahlungsdienstleistern vorzubehalten. Die EZB selbst solle als staatlicher Akteur gar nicht „mit eigener Wallet und Offline-Karte“ an den Markt gehen, weil Wettbewerbsverzerrungen zu befürchten seien. Mit der Echtzeitüberweisung und bestehenden Anwendungen seien mögliche Verbrauchervorteile eines digitalen Euro ohnehin bereits gesichert, sodass ein weiterer Mehrwert hier gar nicht belegt sei. Geschaffen werden könne ein solcher wohl aber, wenn man sich stattdessen auf den digitalen Euro ausschließlich als digitale Zentralbankwährung im Interbankenverkehr (wholesale-CBDC**) fokussierte. 

Zu wesentlichen Vorteilen eines digitalen Euro zählen im Allgemeinen die Gleichwertigkeit desselben in digitaler wie realer Form – ohne Spekulationsspielraum. Zudem soll der digitale Euro auf einer EZB-eigenen Hochsicherheitsinfrastruktur laufen – nicht über eine Blockchain (vereinfacht: dezentrale Datenbank), wie man dies von Kryptowährungen kennt. Auch sei die EZB im Vergleich zu Geschäftsbanken ohne Insolvenzrisiko. Da im Handel digitale Eurozahlungen der Kundschaft für die Händlerseite nach aktuellen Entwürfen  gegebenenfalls – anders als herkömmliche Kartenzahlung – gebührenfrei sein könnten, gäbe es einen zusätzlichen Anreiz zur Akzeptanz (wobei für die Einrichtung der notwendigen Infrastruktur mit Kosten zu rechnen ist). Die EZB sieht im digitalen Euro einen innovativen Treiber für den europäischen Zahlungsverkehr wie auch für finanzielle Inklusion.

Fazit: Es sind noch viele Fragen offen – und die Zeit drängt!

Inwieweit sich Wero im weiteren Ausbau oder der digitale Euro als „Neuling“ oder beide Formen als Doppelstrategie behaupten und der Funktion eines unabhängigen digitalen europäischen Zahlungssystems gerecht werden (können), hängt von nächsten Entscheidungen ab. Gewiss ist allerdings, dass die Zeit drängt. So gibt es etwa Stimmen, die beispielsweise das Szenario, dass bislang gesetzte US-Zahlungsdienstleister wie PayPal, Google Pay, Apple Pay, Mastercard oder Visa Europa im Wandel des politischen Klimas vielleicht auch mal den Rücken kehren könnten, zumindest nicht (mehr) gänzlich ausschließen. Europa möchte die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsnetzwerken reduzieren. Und während Wero dann in vielerlei Hinsicht als europäische Alternative heute schon bereitstünde – 2027 absehbar auch fürs Bezahlen im stationären Handel, plant man für den digitalen Euro 2027 überhaupt erst einen Pilotbetrieb mit ausgewählten Zahlungsdienstleistern (PSPs), Händlern und Endnutzern. Wero deckt also vieles bereits ab, wofür der digitale Euro noch Jahre benötigt. Da drängt sich durchaus die Frage auf, wie viel Zeit Europa zum Ausbau einer nachhaltigen Resilienz tatsächlich bleiben mag, um für alle Eventualitäten im Falle eines Falles wirklich gut gewappnet zu sein.

* Weitere Informationen finden sich hierzu in den Beiträgen Neue Prämienaktion für Wero! vom 05.03.2026 und Wero hat die nächste Stufe gezündet: Jetzt auch als Zahlungsmöglichkeit im Onlinehandel! vom 25.11.2025

** Gemäß EZB-Definition***: „Abwicklung von Interbank-Überweisungen und damit verbundenen Transaktionen zwischen Geschäftsbanken in Zentralbankreserven“ 

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Stand: 08.05.2026