SpardaErzählfestival 2026 – wieder ein voller Erfolg!
„VON WEGEN – Geschichten, die auf die Reise gehen“ lautete das Motto des diesjährigen, 22. SpardaErzählfestivals. Vom 24. bis 27. September lud die Sparda-Bank Hessen zu vier Tagen voller Geschichten, Fantasie und gemeinsamer Erlebnisse ein – in der Filiale Kassel-Stadt, am Kulturbahnhof Kassel und in der Märchenwache Schauenburg. Sieben Veranstaltungen boten den Gästen viele Gelegenheiten, den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Der Eintritt war frei.
Live eröffnet wurde das Festival am Donnerstagabend von Katharina Ritter. In Bregenzer Tracht erzählte sie von den „Schwabenkindern“: Noch bis ins 20. Jahrhundert schickten verarmte Bergbauernfamilien ihre Kinder zu Fuß über die Alpen ins Schwabenland, damit diese dort arbeiteten. „1000 x 1000 Schritte“ erzählt von bitterer Armut, aber auch vom Mut der Kinder, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Eine besonders persönliche Note erhielt der Abend durch die Geschichte von Ritters Großonkel, der selbst eines dieser Kinder war.
Am Freitag ging es mit „VON WEGEN – VOM LEBEN!“ weiter. Festivalleiterin Gudrun Rathke und „Geschichten-Botschafter“ André Wülfing nahmen ihr Publikum mit auf eine Reise zu Traumtänzern, Glückssuchern, Wegfinderinnen und Vagabunden aus sieben Ländern. Ihre Geschichten handelten von mutigen Aufbrüchen und von Menschen, die sich Widrigkeiten entgegenstellen, zur richtigen Zeit den Mund aufmachen und auch bei kräftigem Gegenwind unbeirrt ihren Weg gehen. Ein Abend voller Witz, feiner Zwischentöne und überraschender Wendungen.
Eine besondere Reise begann bereits eine Woche vor dem Festival: In der Erzählwerkstatt entwickelten Drittklässler:innen der Johann-Friedrich-Krause-Schule in Schauenburg gemeinsam mit Gudrun Rathke und Heike Münker ihre eigenen Geschichten. „In der Erzählwerkstatt erfinden die Kinder in vier per Zufall eingeteilten Gruppen gemeinsam eine Geschichte. Sie merken sich dabei weniger den Text als die Bilder, die die Geschichte in ihnen hervorruft, und verinnerlichen so ihren roten Faden. Sie lernen nichts auswendig“, erklärt Gudrun Rathke das Konzept. Bereits am zweiten Tag erzählten die Kinder ihre Geschichte selbstständig jeweils neuen Zuhörenden, denn die betreuenden Erwachsenen wechselten die Gruppen.
Neben dem Spaß am kreativen Gestalten sammelten die Kinder dabei wertvolle Erfahrungen: Sie lernten, im Team zu arbeiten, einander zuzuhören, flexibel zu reagieren und auch mit individuellen Enttäuschungen umzugehen. Der Höhepunkt folgte am Samstagnachmittag: Unter dem Titel „Unterwegs“ präsentierten die Kinder ihre selbst entwickelten Geschichten erstmals auf der Festivalbühne. Begleitet wurden die Erzählungen von selbst gestalteten Bildern. Kinder aus vierten Klassen hatten diese unter Anleitung der Künstlerin Heike Reich als Linoldrucke im Stil des Künstlers Albert Schindehütte angefertigt.
Im Anschluss wurden zudem die Gewinner:innen des SpardaSchreibwettbewerbs 2026 geehrt. Für ihre ausgezeichneten Geschichten erhielten sie jeweils eine Siegerprämie von 200 Euro.
Samstagabend sorgte die deutsch-peruanische Storytellerin Johanna Wollin mit „Zwischen den Stühlen? – Von wegen“ für Spannung und Nachdenklichkeit. Auf einer humorvollen Reise zwischen zwei Kontinenten und Kulturen lud sie das Publikum dazu ein, der Frage nachzugehen, wo eigentlich „Zuhause“ ist. „Pointiert und authentisch führte sie den Zuhörenden vor Augen, wie sehr auch unbedachter, unbewusster Alltagsrassismus verletzt“, fasst Gudrun Rathke zusammen. Zugleich machten die eindrucksvoll erzählten Mythen deutlich: Für das eigene Handeln trägt jeder Mensch selbst Verantwortung.
Der Sonntag begann mit einer Literatur-Matinee im Bali-Kino. Literaturwissenschaftlerin und Nature Writerin Anneke Lubkowitz stellte ihr Buch „Rebellinen zu Fuß“ vor. Im lebhaften Austausch mit Moderator Martin Maria Schwarz ging es um berühmte Frauen wie Bettina Brentano, Annette von Droste-Hülshoff, Else Lasker-Schüler und Simone de Beauvoir, die das Wandern als Weg zu mehr Selbstbestimmung entdeckten. Rund 80 Menschen folgten den außergewöhnlichen Lebens- und Wanderwegen der Schriftstellerinnen.
Nachmittags wurde es in der Märchenwache Schauenburg noch einmal richtig voll: Für die Vorstellung von Gudrun Rathke und Geigerin Cornelia Ilg mussten zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Gemeinsam verwoben die beiden Geschichten und Musik zu einem ganz besonderen Zauberklang. Und auch für den Gaumen gab‘s passend zum „Tischleindeckdich“-Motto etwas zu entdecken. Zwetschgenkuchen aus der Abendrothschen Backstube rundete den Nachmittag ab.
„Ohne die hervorragende Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Sparda-Bank Hessen wäre das Festival nicht durchzuführen“, freut sich Gudrun Rathke über das gelungene Festival und bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten.
Geschichten zum Weiterreisen
Wer nach den Veranstaltungstagen noch ein wenig weiterreisen möchte – oder in diesem Jahr vielleicht nicht den „Weg nach Kassel“ gefunden hat –, kann ausgewählte Festivalgeschichten über unsere Homepage auch im Nachhinein noch als Podcast erleben. Das Angebot hält Geschichten für Kinder wie Erwachsene bereit und lädt dazu ein, die Reise ganz einfach weitergehen zu lassen.
Stand: 08.10.2026