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Sommer-Winterzeit_Uhrengrafik

Am Wochenende wird’s mal wieder Zeit …

Kommenden Sonntag (29. März) ist es wieder so weit: Die Uhren werden eine Stunde von Winter- auf Sommerzeit vorgestellt. De facto wird unser Wochenende also ein Stündchen kürzer, denn die Zeiger wandern in der Nacht zum Sonntag von zwei Uhr sofort auf drei Uhr weiter. Unsere ursprüngliche „korrekte“ Ganzjahreszeit – bevor die zunehmend umstrittene Zeitumstellung eingeführt wurde – ist übrigens die Winterzeit.  

Eine kurze Geschichte der (einheitlichen) Zeit

Seit jeher galt der höchste Sonnenstand als Mittag(sstunde), von wo aus sich die weiteren Uhrzeiten ableiteten. Da dieser Sonnenhöchststand aber nicht an jedem Punkt der Erde gleichzeitig eintritt, ergaben sich an unterschiedlichen Orten damals sehr unkoordiniert unterschiedliche Uhrzeiten. Insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen war man zunehmend bestrebt, die geltenden Uhrzeiten zu vereinheitlichen – wobei Anfang des 19. Jahrhunderts auch der Einzug der Eisenbahn eine wesentliche Rolle spielte.

Die Vermessung der Welt-Zeit

In diesem Sinne verständigte man sich 1884 auf eine Unterteilung der Erde in 24 Zeitzonen – im Bestreben, hierbei zumindest innerhalb eines zusammenhängenden Staatsgebiets einheitliche Uhrzeiten zu definieren. So gilt für Deutschland seit dem 1. April 1893 einheitlich die Zuordnung zur Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) – wie beispielsweise auch bei den europäischen „Nachbarn“ mit den Städten Amsterdam, Budapest, Rom, Madrid oder Paris. Abweichend ist nur Großbritannien: Hier richtet man sich nach der Greenwich Mean Time bzw. Western European Time (GMT/WET), wonach die Menschen in England ganzjährig immer eine Stunde früher dran sind als wir. So ist es dort gerade 12 Uhr mittags, wenn es bei uns bereits 13 Uhr ist.

Übrigens ist die königliche Sternwarte (Royal Greenwich Observatory) im Londoner Stadtteil Greenwich mit dem hier gekennzeichnet verlaufenden Nullmeridian* – der konventionell den Längengrad „Null“ als Bezugspunkt für alle irdischen Längengrade markiert – auch ein schönes Ausflugsziel! Jeder Weltzeittag beginn offiziell genau dann, wenn es an dieser Stelle Mitternacht ist. 

Woher kam überhaupt die Idee einer Zeitverschiebung?

Der Gedanke an eine Sommerzeitverschiebung wurde bereits 1784 vom Sohn eines Seifen- und Kerzenmachers aufgebracht – es handelte sich bei diesem um Benjamin Franklin, heute vor allem als (Mit-)Gründervater der Vereinigten Staaten bekannt. Sein Ansinnen war ein möglichst effektives (kerzenwachssparendes) Ausnutzen des Tageslichts: in der von ihm angedachten Sommerzeit mit dem früheren Sonnenaufgang beginnend und den einhergehend früheren Abend ebenso in natürlicher Helligkeit nutzend. Er sah darin immenses Einsparpotenzial für den Wachsverbrauch – da man so doch mehr Stunden vom Tageslicht profitieren könne, anstatt Kerzen anzuzünden.

Zeitverschiebung später dann doch „made in Germany“?

Wovon Franklin damals noch nicht ausreichend überzeugen konnte, das wurde vom deutschen Kaiser 1916 einfach bestimmt: So gingen die Uhren in Deutschland drei Jahre lang von März bis September jeweils eine Stunde vor. Bis die Weimarer Republik dem Zauber wieder ein Ende bereitete. Zumindest vorläufig – denn im Verlauf des zweiten Weltkrieges besann man sich erneut auf die vermeintlich effizientere Ausnutzung der Helligkeit durch Zeitverschiebung, vor allem mit Blick auf eine möglichst produktive Rüstungsindustrie. Auch Länder wie Frankreich, Großbritannien und Russland hatten in der Zwischenzeit einen Sommer-Winter-Zeitenwechsel eingeführt. Richtig turbulent wurde es dann mit Kriegsende, als Deutschland unter den Siegermächten in vier Besatzungszonen mit unterschiedlichen Zeitbestimmungen für Ost und West aufgeteilt war. Einheitlich wurde die Zeit zwischen beiden deutschen Teilen erst mit deutsch-deutscher Staatengründung. Die Zeitverschiebung war dann bis in die 1970er Jahre erstmal wieder ad acta gelegt.

Eine Ölkrise brachte den Stein erneut ins Rollen

Mit der Ölkrise 1973 flammte die Diskussion allerdings erneut auf: Nach einigen Debatten führten kurz aufeinander 1980 beide Teile Deutschlands – gefolgt von den meisten westeuropäischen Staaten (wenngleich in recht uneinheitlicher Handhabung der jeweiligen Zeitpunkte) – die Sommerzeit wieder ein. Schließlich brachte ein Beschluss der Europäischen Union im Jahr 1996 den beteiligten europäischen Staatsgebieten eine einheitliche Terminierung der Umstellungstage auf die offizielle mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).

Eselsbrücke fürs „Uhrzeitrechnen“

Es gibt übrigens zahlreiche Eselsbrücken, um sich auf die Schnelle in Erinnerung zu rufen, ob die Uhr beim aktuellen Zeitenwechsel nun vor oder zurück gestellt wird – uns somit ein Stündchen genommen oder gegeben wird. Sehr einprägsam ist der Vergleich mit den Gartenstühlen oder Sonnenliegen: Naturgemäß werden diese zum Start der wärmeren Saison vor das Haus gestellt – sowie die Uhr von zwei Uhr auf drei Uhr eine Stunde vor (im Sinne von „weiter“) gedreht wird. Wenn zum Winter hin die Temperaturen sinken, stellt man die Gartenmöbel wieder ins Haus zurück – wie gleichsam auch die Uhrzeiger um 60 Minuten von drei Uhr auf zwei Uhr zurück wandern.

Zeitverschiebungs-Streitigkeiten halten trotz erfahrungsbasierter Abschaffungsgründe an

Die kontroversen Ansichten und Streitigkeiten sowie Wünsche zur Abschaffung der Zeitverschiebung verdichten sich. Denn was ursprünglich aus Gründen der Energieeinsparung – vom Kerzenwachs bis hin zu Strom und fossilen Brennstoffen in der heutigen Zeit – begann, haben Studien inzwischen als nicht den gewünschten Erfolg bringend widerlegt: Erfahrungswerte zeigen keine nennenswerten Energieeinsparungen – im Gegenteil: Bei privaten Haushalten werden Einsparungen künstlichen Lichts durchs Nutzen früherer Tageshelligkeit mit dem zusätzlichen Verbrauch von Heizenergie (da die Temperaturen so früh noch niedriger sind) sogar nachteilig überkompensiert. Für sie wird‘s durch die Zeitumstellung also teurer. Auch die negativen Auswirkungen auf den Biorhythmus vieler Menschen wie für die Tierwelt – etwa, wenn es um biologisch beeinflusste Abläufe bei der Versorgung oder den Wildwechsel an vielbefahrenen Straßen geht – werden als nachgewiesene Gründe für eine Abschaffung der Zeitenwechsel benannt.

Fazit: Vor dem Hintergrund, dass die EU-Mitgliedsstaaten für eine geforderte Abschaffung an einem Strang ziehen müssen, wird sich die Debatte wohl noch weiter hinziehen …  – und in jedem Fall nicht an diesem Wochenende greifen: Denken Sie daher daran, die Uhr umzustellen – und behalten für eventuelle Sonntagsverabredungen die „fehlende Stunde“ im Blick! 

 

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Stand: 27.03.2026