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Fussballstadion aus der Vogelperspektive

10 kuriose Fakten rund um die Fußball-WM

 

Ein Torwart, der in der Verlängerung Dribbling übt. Ein 38-Jähriger im Rentenalter, der ihn bestraft. Ein Finale ohne ein einziges Tor. Und ein Land, das ungeschlagen ausscheidet. Die WM-Geschichte ist voller Momente, über die man spontan lacht – und dann zweimal nachfragt, ob das wirklich wahr ist.

 

1. Der verrückteste Torwart der WM-Geschichte patzt auf spektakulärste Weise

Kolumbiens René Higuita galt als exzentrischster Keeper seiner Generation. Sein Spitzname: „El Loco" – der Verrückte. Warum, bewies er 1990 im WM-Achtelfinale gegen Kamerun eindrucksvoll: In der 109. Spielminute unternahm der kolumbianische Torhüter einen Ausflug in Richtung des gegnerischen Strafraums – Kameruns WM-Held Roger Milla tänzelte ihm entgegen, spitzelte ihm den Ball vom Fuß und schoss ins leere Tor zum entscheidenden 2:0. „Es war ein Fehler so groß wie ein Haus", gab der Torwart hinterher zu. Kolumbien war raus. Higuita sagte, er wolle in Zukunft aufmerksamer sein. Er wurde es nicht.

 

2. Das langweiligste WM-Finale aller Zeiten: 120 Minuten, null Tore, ein Gähnvormittag

Das WM-Finale 1994 zwischen Brasilien und Italien. Zwei der größten Fußballnationen der Welt. Rekordweltmeister gegen Rekordweltmeister. Drei Milliarden Zuschauer weltweit. Und dann: 120 torlose Minuten – ein heißer Anwärter auf den Titel des langweiligsten WM-Finales aller Zeiten. Das erste WM-Finale überhaupt, das im Elfmeterschießen entschieden wurde. Roberto Baggio, bester Spieler des Turniers, schoss den entscheidenden Elfmeter über das Tor. „Es ist eine Wunde, die sich niemals schließt", sagte er später. Brasilien war Weltmeister – ohne in 120 Finalminuten ein einziges Tor erzielt zu haben.

 

3. WM 2018 Russland: Das Turnier, bei dem alle ins eigene Tor schossen

Bei der WM 2018 in Russland wurde der alte Rekord von 6 Eigentoren auf 12 Eigentore verdoppelt – bis dato der absolute WM-Rekord. Darunter: ein St.-Pauli-Zweitligaspieler im Trikot Marokkos, der gegen den Iran in der Nachspielzeit ins eigene Netz köpfte. Ein russischer Verteidiger, der im eigenen Land gegen Spanien traf. Und als Krönung: Mario Mandžukić wurde im Finale der erste Spieler der WM-Geschichte überhaupt, der in einem Endspiel ein Eigentor erzielte. Frankreich dankte es ihm mit dem Weltmeistertitel.

 

4. Neuseeland scheidet aus – als einziges Team ohne eine einzige Niederlage

Bei der WM 2010 in Südafrika war Neuseeland die einzige Mannschaft, die kein einziges ihrer Spiele verlor. Drei Unentschieden gegen die Slowakei, gegen Weltmeister Italien – und trotzdem raus. Das Torverhältnis reichte nicht. Die „All Whites" flogen nach Hause, ungeschlagen, sieglos, ausgeschieden. Gleichzeitig schied Weltmeister Italien als Gruppendritter aus, ohne ein einziges Gruppenspiel gewonnen zu haben. Der Fußball kennt keine Gerechtigkeit.

 

5. Drei gelbe Karten in einem Spiel – und der Schiedsrichter merkt es selbst nicht

Der kroatische Nationalspieler Josip Šimunić sah 2006 im WM-Spiel gegen Australien als erster Spieler der WM-Geschichte in einem einzigen Spiel drei gelbe Karten, ehe er des Feldes verwiesen wurde. Schiedsrichter Graham Poll hatte seine eigenen Notizen schlicht falsch geführt, zweimal die Karte gezückt – und beim dritten Foul verwirrt zur Roten gegriffen. Šimunić fasste es nach dem Spiel pragmatisch zusammen. Poll entschuldigte sich öffentlich und wurde nie wieder bei einer WM eingesetzt. Šimunić spielte weiter.

 

6. Der Zidane-Kopfstoß: 16 Jahre lang wusste die Welt nicht, was wirklich gesagt wurde

Das WM-Finale 2006, Verlängerung. Zinédine Zidane – einer der besten Spieler aller Zeiten, letztes Spiel seiner Karriere – rammt seinen Schädel in die Brust von Marco Materazzi. Rote Karte. Frankreich verliert. Jahrelang hieß es, Materazzi habe Zidanes Mutter beleidigt. Erst anlässlich seines 50. Geburtstags räumte Zidane gegenüber der «L'Équipe» auf: „Er hat nicht von meiner Mutter geredet. Aber er hat meine Schwester beleidigt. An jenem Tag war meine Mutter sehr müde. Ich telefonierte deshalb mehrmals mit meiner Schwester." Eine Beleidigung, die eine WM entschied. „Ich bitte den Fußball, seine Fans und die Mannschaft um Verzeihung, aber niemals Materazzi. Lieber würde ich sterben", sagte Zidane 2010.

 

7. Ein Stürmer schießt das WM-Siegtor – und wird von seinem eigenen Verein gefeuert

WM 2002, Achtelfinale: Südkorea gegen Italien. Ahn Jung-Hwan erzielt das Golden Goal für Südkorea. Ein ganzes Land feiert. Doch sein Vereinspräsident Luciano Gaucci von AC Perugia kündigt noch am nächsten Tag an, Ahn werde entlassen. Er führte „patriotische Gründe" an und erklärte, sein Stürmer habe „nur wie ein Phänomen gespielt, als es gegen Italien ging." Ein Spieler wird gefeuert, weil er ein WM-Tor geschossen hat. Der Weltverband FIFA reagierte mit Unverständnis. Ahn wechselte weiter. Gaucci wurde später selbst wegen Betrugs verurteilt.

 

8. Maradona brüllt nach dem Doping-Tor in die Kamera – und ahnt, was kommt

Bei der WM 1994 war Diego Maradona wie aufgedreht über den Platz gerannt, hatte gegen Griechenland ein Tor geschossen und danach wie ein Verrückter in eine Kamera gebrüllt. Was folgte, war einer der dramatischsten Abstiege der Sportgeschichte: positiver Dopingtest, fünf verbotene Substanzen im Urin, Sperre, Abreise. „Sie haben mir die Beine abgeschnitten", sagte Maradona. Der FIFA-Arzt kommentierte: „Er muss einen Doping-Cocktail zu sich genommen haben, denn die fünf nachgewiesenen Substanzen finden sich in keinem einzigen Medikament wieder." Das Bild von Maradona, Hand in Hand mit einer Krankenschwester zur Dopingkontrolle, ist eines der berühmtesten der Sportgeschichte.

 

9. Die Schande von Gijón: Deutschland und Österreich spielen offen einen Nichtangriffspakt – live im TV

1982, letztes Vorrundenspiel. Nach dem frühen deutschen 1:0 durch Hrubesch hörte das Spiel auf zu existieren. Die spanische Zeitung «El Comercio» druckte den Spielbericht nicht im Sportteil, sondern bei den Polizeimeldungen – als mutmaßlichen Betrugsfall, bei dem 40.000 Zuschauer um ihr Eintrittsgeld geschädigt worden seien. Deutschlands Paul Breitner fand das Publikum schlicht „dumm, wenn es nicht begreift, dass es hier nur ums Weiterkommen ging." Algerien, das Deutschland zuvor 2:1 geschlagen hatte, flog raus. Als direkte Konsequenz werden seitdem alle letzten Gruppenspiele weltweit gleichzeitig angepfiffen.

 

10. Krake Paul tippte jedes deutsche WM-Spiel 2010 richtig – und bekam Personenschutz

Acht Spiele. Acht Vorhersagen. Acht Treffer. Krake Paul aus dem Oberhausener Sea Life Aquarium entschied sich zwischen zwei Futternäpfen – und lag jedes Mal richtig, inklusive der deutschen Niederlage gegen Spanien im Halbfinale. Als er gegen Deutschland tippte, prasselten Morddrohungen ein. Argentinien forderte seine „Entführung" in einer offiziellen Erklärung. Spanische Restaurants boten ihn als Tagesmenü an. Paul bekam rund um die Uhr Bewachung. Er starb im Oktober 2010 – aus natürlichen Gründen, wie das Aquarium versicherte.