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Warum wir „rote Zahlen schreiben“ – bekannte Geld-Redewendungen erklärt

 

Ob von roten Zahlen, der hohen Kante oder barer Münze die Rede ist: Redewendungen mit Finanzbezug begegnen uns fast täglich. Doch hinter vielen von ihnen stecken überraschende Geschichten. Zeit für eine kleine Reise durch die Finanzgeschichte unserer Sprache.

 

1. Rote bzw. schwarze Zahlen schreiben

Bedeutung
Wer rote Zahlen schreibt, macht Verluste oder gibt mehr Geld aus, als eingenommen wird. Schwarze Zahlen schreiben bedeutet dagegen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und Gewinne zu erzielen.

Herkunft
Die Redewendung stammt aus dem kaufmännischen Rechnungswesen der frühen Neuzeit und etablierte sich insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert. Positive Salden wurden traditionell in schwarzer Tinte geführt, Fehlbeträge oder Verluste häufig rot hervorgehoben, damit sie auf einen Blick erkennbar waren. Diese Farbkonvention findet sich bis heute in der Buchhaltung sowie in vielen Börsenübersichten wieder.

 

2. In die Kreide geraten

Bedeutung
Wer in die Kreide gerät, hat Schulden oder lebt zeitweise über seine finanziellen Möglichkeiten.

Herkunft
Bereits seit dem 17. und 18. Jahrhundert vermerkten Wirte und Händler offene Rechnungen häufig mit Kreide auf Tafeln oder Wänden. Wer nicht sofort bezahlen konnte, wurde dort angeschrieben – und geriet damit buchstäblich „in die Kreide“. Die Redewendung entwickelte sich zum Sinnbild für Schulden.

 

3. Auf die hohe Kante legen

Bedeutung
Wer Geld auf die hohe Kante legt, spart bewusst Geld für später oder baut finanzielle Rücklagen auf.

Herkunft
Die genaue Entstehung der Redewendung ist nicht eindeutig belegt. Sprachwissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass Erspartes früher häufig auf der oberen Kante eines Schranks oder in einem erhöhten Fach aufbewahrt wurde – außer Reichweite von Kindern oder Dieben. Daraus entwickelte sich die Bedeutung des Sparens und Zurücklegens von Geld.

 

4. Den Rubel rollen lassen

Bedeutung
Wer den Rubel rollen lässt, gibt viel Geld aus oder gönnt sich etwas, ohne lange zu überlegen.

Herkunft
Der Rubel ist die Währung Russlands. Die Redewendung verbreitete sich im 19. Jahrhundert im Deutschen als Sinnbild für einen großzügigen Umgang mit Geld. Ob sie tatsächlich auf wohlhabende russische Reisende zurückgeht oder sich allgemein auf die damals bekannte Währung bezieht, ist heute nicht eindeutig belegt.

 

5. Auf großem Fuß leben

Bedeutung
Wer auf großem Fuß lebt, führt einen luxuriösen Lebensstil und gibt häufig mehr Geld aus als nötig.

Herkunft
Die Redewendung geht auf das Spätmittelalter zurück. Damals galten besonders lange Schnabelschuhe als Statussymbol. In Teilen Europas regelten Kleiderordnungen sogar, wie lang die Schuhspitzen je nach gesellschaftlichem Rang sein durften. Wer „auf großem Fuß lebte“, demonstrierte damit Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen.

 

6. Die Zeche zahlen

Bedeutung
Die Zeche zahlen bedeutet, die Rechnung zu begleichen oder die Konsequenzen für eine Situation zu tragen – manchmal sogar für Fehler anderer.

Herkunft
Bereits im Mittelalter bezeichnete „Zeche“ die gemeinsame Rechnung einer Tischgesellschaft oder eines Wirtshausbesuchs. Wer die Zeche zahlte, übernahm die Kosten für alle Anwesenden. Daraus entwickelte sich die heute geläufige Redewendung dafür, die Folgen einer Entscheidung oder eines Fehlers tragen zu müssen.

 

7. Etwas für bare Münze nehmen

Bedeutung
Wer etwas für bare Münze nimmt, glaubt einer Aussage oder Information ohne Zweifel und hält sie für wahr.

Herkunft
Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit bezeichnete „bare Münze“ tatsächlich vorhandenes Bargeld aus Edelmetall – im Gegensatz zu Schuldscheinen, Wechseln oder bloßen Zahlungsversprechen. Wer mit barer Münze bezahlte, beglich seine Rechnung sofort und ohne Unsicherheiten. So entwickelte sich die Redewendung zum Sinnbild für etwas, das als echt, glaubwürdig und verlässlich gilt.

 

Manche Redewendungen sind mehrere hundert Jahre alt – und trotzdem bis heute fester Bestandteil unseres Alltags. Wer ihre Herkunft kennt, versteht nicht nur unsere Sprache besser, sondern entdeckt auch, wie eng Geld, Handel und Geschichte miteinander verbunden sind.