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Frauen und Geld

„Die“ Geldanlage ist weiblich. Wirklich?

Was laut Duden stimmig klingt, sieht beim realen Umgang mit Finanzen oft ganz anders aus. Auch Studien der Fondsgesellschaft Union Investment – wie das regelmäßig veröffentlichte Anlagebarometer und die Wohlstandsstudie – zeugen davon: Im Jahr 2019 gaben 54 Prozent der befragten Männer an, über „gute oder sehr gute“ Finanzkenntnisse zu verfügen. Unter den Frauen waren es nur 31 Prozent, die sich so selbstbewusst äußerten. Doch woher kommen die Unterschiede – und weshalb trauen sich Frauen oft so wenig zu?

Frauen agieren in Sachen Geldanlage anders als ihre männlichen Pendants. Laut Anlagebarometer zum ersten Quartal 2019 zeigten sich beispielsweise nur 28 Prozent der befragten Frauen bereit, auch „jenseits zinsbasierter Anlagen, etwa in Aktien oder Fonds, zu investieren“. Bei den Männern waren es 42 Prozent. Und das, obwohl besonders Frauen sich über das gegenwärtige Zinsniveau ärgern (63 Prozent gegenüber 50 Prozent bei den Männern) – und ein Umdenken zu kapitalmarktorientieren Spar- und Anlageformen unter Renditegesichtspunkten im Grunde unausweichlich ist. Denn zinslos geparktes Geld verliert kontinuierlich an Wert, da auch moderate inflationsbedingte Preissteigerungen im Laufe der Zeit die Kaufkraft mindern.

Tatsächlich investierten laut Anlagebarometer zum ersten Quartal 2019 dann gerade einmal 27 Prozent der Frauen in entsprechende Fonds (bei den Männern waren es 38 Prozent). „Geht es um diesen Bereich des Kapitalmarkts, hängen Männer die Frauen aktuell deutlich ab“, so Union Investment. Passend hierzu: 59 Prozent der befragten Männer verbinden mit dem Thema Geld und Geldanlagen positive Aspekte. Frauen teilten diese Einstellung nur zu 45 Prozent.

Um solche unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen besser einzuordnen, lohnt ein Blick zurück: Denn schon die historisch bedingte Ausgangslage in puncto finanzieller Selbstbestimmung ist bei Frauen eine ganz andere als bei den Männern.

„Wozu brauchst du als Mädchen Abitur und Studium? Du heiratest doch sowieso!“

Diesen Satz bekamen junge Mädchen auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in vielen deutschen Elternhäusern noch zu hören. Überhaupt gibt es die gesetzlich verankerte Gleichberechtigung in Deutschland erst seit etwas mehr als 70 Jahren – 1948 erkämpft durch Frauen wie Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel, auch die vier „Mütter des Grundgesetzes“ genannt. Tatsächlich stand bis 1958 im Bürgerlichen Gesetzbuch (§1363) noch: „Das Vermögen der Frau wird durch Eheschließung der Verwaltung und Nutznießung des Mannes unterworfen.“

Heute kaum mehr vorstellbar, doch bis 1977 konnte der Ehemann in der alten Bundesrepublik noch (mit-)bestimmen, ob seine Frau arbeiten gehen und auf diese Weise selber Geld verdienen durfte. Ausschlaggebend war “so lange sie die Familie nicht vernachlässigte“. Bis dato war die Hausfrauenehe – zumindest in Westdeutschland – lange der Standard, bei klarer Aufgabenteilung: Kinder und Küche der Frau – Männern die Karriere und das Kapital. Erst im Zuge der Emanzipation hat sich das Rollenbild gewandelt und Frauen gewannen zunehmend mehr Freiheiten, wurden finanziell selbstständiger. Dennoch hört man auch heute bisweilen noch den Satz: „Um die Finanzen kümmert sich mein Mann.“ Eine gefährliche Passivität – was spätestens seit Änderung des Scheidungs- und Unterhaltsrechts im Jahr 2008 allen klar sein sollte: Denn der seither geltende „Grundsatz der Eigenverantwortung“ (§1569 BGB), bedeutet, dass im Falle einer Scheidung jeder Ehepartner für sich selber sorgen muss – unter bestimmten Voraussetzungen auch, wenn Kinder betreut werden.

Von Gap zu Gap: die finanziellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Jahrhunderte andauernder Benachteiligung des weiblichen Geschlechts entfalten ihre Wirkung bis in die heutige Zeit: Vergleicht man Einkünfte, Vermögen und Chancen zeigt sich die finanzielle Kluft (Gap) zwischen Mann und Frau. Der vom Weltwirtschaftsforum jährlich herausgegebene Global Gender Gap Report führt eine ganze Reihe solcher Diskrepanzen auf.

Wohl am bekanntesten ist die viel zitierte Gender Pay Gap – der Einkommensunterschied: 2019 lag dieser laut Statistischem Bundesamt (Destatis) bei 20 Prozent. Der anlässlich des Equal Pay Days am 17. März 2020 ermittelte durchschnittliche Bruttostundenlohn betrug bei Frauen 17,72 Euro gegenüber 22,16 Euro bei den Männern.

Ein Unterschied, der keinesfalls allein darauf zurückzuführen ist, dass Frauen auch gegenüber ihren Arbeitgebern häufig – klassischen Rollenbildern folgend – unsicherer auftreten oder den Wert ihrer Arbeit nicht kennen. Vielmehr sind es strukturelle Gründe, die zu diesen Ergebnissen führen: Frauen sind häufiger in Branchen bzw. Berufen des Niedriglohnsektors tätig – Beispiele sind pflegende Berufe, die Supermarktkasse und Reinigungsdienste.

Außerdem sind es natürlich auch immer noch die Frauen, die Kinder gebären und dann meistens eine gewisse Zeit zuhause bleiben. Im Anschluss arbeiten sie häufig jahrelang nur noch in Teilzeit, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bringen. Karrierefördernd ist das nicht – viele Frauen können auch Jahre nach der Geburt noch nicht wieder an ihr früheres Gehalt anknüpfen. Diese Gender Time Gap macht auch vor top qualifizierten Akademikerinnen nicht Halt.

Dass sich daraus zusätzlich Vermögensunterschiede ergeben, liegt auf der Hand. Noch gravierender sind allerdings die Folgen fürs Alter!

Die Rente ist bei Frauen nicht nur knapper, sondern muss auch länger reichen!

Laut Rentenversicherungsbericht 2020 beliefen sich die durchschnittlichen Altersrentenzahlungen in Westdeutschland zum 31.12.2019 auf 1.268,01 Euro (40,63 Versicherungsjahre) bei den Männern und lagen damit fast doppelt so hoch wie die der Frauen mit 695,71 Euro (27,52 Versicherungsjahre). Das macht deutlich, wie problematisch sich geringere Einkünfte und Lücken in der Erwerbsbiografie auswirken. Zum Vergleich: In den neuen Bundesländern, wo Frauen schon seit jeher meist durchgehend berufstätig waren, ist der Abstand zwischen den Geschlechtern im gleichen Jahr deutlich geringer: Frauen erhielten hier durchschnittlich 1.011,54 Euro (41,32 Versicherungsjahre) und lagen damit „nur“ 19,74 Prozent hinter den Männern mit 1.260,35 Euro (44,63 Versicherungsjahre).

Grundsätzlich betrifft das allgemein sinkende Rentenniveau in Deutschland beide Geschlechter* – jedoch sind Frauen angesichts ihrer ohnehin schon schlechteren Ausgangslage sowie einer statistisch höheren Lebenserwartung ungleich stärker von Altersarmut bedroht. Beispielsweise auch, wenn sie ohne adäquate Vorsorge als Witwe zurück bleiben. Daher ist selbst in einer vermeintlich soliden Beziehung immer finanzielle Eigenverantwortung gefragt: Hierzu gehört die finanzielle Absicherung – sei es in Form eines eigenen Einkommens und persönlicher Vorsorge oder – falls Frau zugunsten der Kinder beruflich zurücktritt – über (ehe-)vertragliche Vereinbarungen, Ausgleichszahlungen und/oder eine private Rentenversicherung etc. Bedauerlicherweise scheuen sich viele Frauen immer noch, dieses gänzlich unromantische Thema in ihrer Beziehung anzusprechen. Bis es dann zu spät ist und sie die finanziellen Folgen zu spüren bekommen.

Dass immer mehr Frauen hierfür aber ein Bewusstsein entwickeln, zeigen die Studien der Union Investment auch: 2019 fühlte sich nur die Hälfte der Frauen durch ihre private Altersvorsorge gut abgesichert. Eine Motivation, zu handeln!

„Wissen ist Macht“ und „Zeit ist Geld“ – auch bei Vorsorge und Vermögensaufbau

Für Frauen ist es wichtig, aktiv zu werden – ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und für neue Wege offen zu sein. Insbesondere sollten sie ihre Scheu vor kapitalmarktorientierten Spar- und Anlageformen abbauen. Wissen macht hier den Unterschied: Je mehr man sich mit Themen befasst und hierzu auch qualifizierte Beratungsangebote nutzt, umso eher lassen sich Vorteile erkennen und Selbstbewusstsein aufbauen – also über die eigenen Finanzen Macht gewinnen.


Informationen zur neuen Serie „Frauen & Geld“

In den kommenden Monaten werden Sie hier im Magazin sowie in der monatlich erscheinenden SpardaAktuell (gibt’s auch als kostenlose App ) weitere Artikel zum Thema finden: Dabei greifen wir unterschiedliche Aspekte einzeln heraus, um diese etwas näher zu beleuchten. So haben Sie auf Wunsch die Möglichkeit, sich Stück für Stück gerne auch Ihr ganz persönliches Nachschlagewerk zusammenzustellen.


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siehe hierzu auch weitere Artikel: Rente & Altersvorsorge: Wie viel ist eigentlich „genug“? und Freiwillige Sonderzahlungen für die Rente ab 63 – lohnt sich das?

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